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Matthäus 6,1-4
  
 Hütet euch: Stellt nicht vor den Menschen zur Schau,
 was für ein frommes Leben ihr führt.
 Sonst habt ihr keinen Lohn mehr zu erwarten von eurem Vater im Himmel."
"Wenn du also einem armen Menschen etwas gibst, hänge es nicht an die große Glocke!
So verhalten sich die Scheinheiligen in den Synagogen und auf den Straßen, damit die  Leute sie bewundern.
Amen, das sage ich euch: Sie haben damit ihren Lohn schon bekommen.
Wenn du einem armen Menschen etwas gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte Hand tut.
So bleibt deine Gabe im Verborgenen. Aber dein Vater, der auch das Verborgene sieht,
wird dich dafür belohnen."
  
Liebe Leserinnen und Leser!

 

Was für eine Aussage. Eine Anfrage an alle mildtätigen Einrichtungen, deren gewählte Bestimmung es ist, Menschen in Not zu helfen. 

Dieser Text wird wenig zu Gehör gebracht, stammt er doch aus der sonst so populären Bergpredigt.

Wer durch die Innenstädte geht, kann sie nicht übersehen, bettelnde Menschen, die die flanierenden Passanten um Almosen angehen. Dieses Bild sollte eigentlich der Vergangenheit angehören in unseren sozialen Marktwirtschaft und unserer sozialstaatlichen Ordnung.
 
Staatliche Fürsorge  – das war einmal! Da hat in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren eine gewaltige Umwälzung stattgefunden.
Unter dem Stichwort: Hartz 4 gibt der Staat nur noch eine begrenzte Pauschalleistung. Eben für das  Notdürftigste, unabhängig von der konkreten Lage, aus prinzipiellen Gründen, um Kosten zu sparen.
Der Rest muss mit privaten Almosen aufgestockt werden, oder mit den milden Gaben kirchlicher Institutionen oder privater Stiftungen. Die Tafeln, an denen sich viele Bedürftige anstellen und die nur dank der Arbeit Ehrenamtlicher funktionieren können, sind ein beredtes Beispiel.
Stillschweigend sind diese Zuwendungen schon im Sozialhilfesatz eingepreist. Warum soll der Staat diese Fürsorge leisten, wenn es doch auch mit privaten Almosen geht. Manche nennen das Drittmittel. Würden kirchliche Wohlfahrtsverbände nicht in die Presche springen, wäre für viele Menschen gesellschaftliche Teilhabe noch begrenzter.

In frühen Gesellschaften konnten Notleidende nur Hilfe von ihren Sippen- oder Klanverbänden bekommen. Moderne Gesellschaften schufen ein mehr oder weniger großes Netz staatlicher Hilfen. Grundlagen dazu sind nicht zuletzt die Weisungen der Bergpredigt. Jesus geht davon aus, dass alle in der Gesellschaft ihre Fürsorge auch für Arme Menschen leisten, sozusagen über ihre steuerlichen Abgaben.

 Eine gewisse Armenfürsorge ist bereits in den 5 Büchern Mose fest verankert. Denn, das Geben, das Abgeben, die Barmherzigkeit  dient der Wiederherstellung von Gerechtigkeit, die einem jeden Geschöpf Gottes zusteht.


Die herablassende Mildtätigkeit eines Almosengebers und das erniedrigend beschämenden Gefühl eines persönlichen Empfängers soll es nicht geben, denn soziale Gerechtigkeit ist gerade nicht aufs Almosengeben nach Gutdünken zu reduzieren. Der Wohlsituierte holt aus seiner Tasche ein paar Münzen, die er zu den Bettelnden herunterwirft. Ein Bild, das jede von uns kennt. Ein paar Krumen vom Tisch der Reichen.  Aber damit überhöht sich der Geber, der Empfänger wird sich seiner Scham bewusst und ist sich seiner Ohnmacht klar. Dies ist kein Geben auf Augenhöhe. Die bestehenden Unterschiede zwischen oben und unten werden nicht aufgehoben sondern zementiert.


In der Bergpredigt spricht sich Jesus klar dagegen aus. Ihm wäre heute sicher ein Greuel die vorgebrachte Maxime:
„Tue Gutes und rede darüber, vermarkte dich damit“ –  Wie oft geben sich Unternehmen ein ökologisches, mildtätiges oder so wie immer angesagtes Werbeaushängeschild: Seht her, wie gut wir sind, denn wir tun Gutes.


Viele gemeinnützige Vereine sammeln Gelder auch unter ihren Mitgliedern, um sich dann als Sponsoren in den Medien feiern zu lassen. Beliebt sich auch sogenannte „Charity-Diners“.-Reiche treffen sich zum kurzweiligen Schmaus, um Geld für die Hungernden zu sammeln. Es will scheinen, als seien die Bedürftigen notwendig, um ihr Gutmenschen-Tun zu feiern. .
Wohltaten für die Allgemeinheit zur Schau stellen, das Sozial-Sponsoring an die große Glocke hängen, das fördert heute das soziale Image.

 

Der Brand der berühmten Pariser Notre-Dame-Kathedrale hat zu Recht große Bestürzung und Anteilnahme ausgelöst, für den Wiederaufbau waren in weniger als zwei Tagen schon nahezu eine Milliarde Euro an Spenden beisammen. Die Regierung wirbt mit großzügigen Steuererlassen für weitere.

Bitter stimmt da die Tatsache, daß von den vorangegangenen allsonnabendlichen Gilet yaune Demonstrationen, in denen Arbeiter und Angestellte, denen die Existenz oft unter den Füssen wegbricht, für bessere soziale Sicherheit und Steuerminderung kämpfen, nur ein abflachendes Interesse zu bemerken ist. Von Steuerentlastungen, von irgendeiner menschlichen Betroffenheit keine Spur!

 

In früheren Jahren hat der DEF so manche Zuwendung von Frauen bekommen. Sie wollten damit die Arbeit des Mütter- und Säuglingsheim fördern. Ledige Schwangere konnten dort ihre Kinder bekommen und Hilfe für die zukünftigen Wege erfahren. Oder für das Haus „Irene“, ein Heim, das Kinder aus schwierigen sozialen Lagen aufgenommen und liebevoll betreut hat. Ebenso sollte Geld für die politische Arbeit da sein, nämlich um die schweren Bretter zu bohren, die für den Abbau der gesellschaftlichen und politischen Benachteiligung von Frauen notwendig sind.

Sie haben die Gelder aus einer Haltung der Bescheidenheit gegeben. Oftmals im Verborgenen, nicht um sich zu erhöhen, sondern um des Werkes Christi Willen.

Manche Spenderinnen wollten  ihre Zuwendung  gerade nicht an die große Glocke hängen wollen. So bleibt deine Gabe im Verborgenen, sagt Jesus.
Eine solche Grundhaltung ist bei weitem nicht mehr verbreitet. Man sprach von Pflichterfüllung und Dienst des Herzens, einer früheren Anschauung, die  einer modernen Gesellschaft nicht immer zuträglich ist. Man kann sie weder erwarten, noch vorgeben oder gar einfordern. Es ist eine Haltung, die allein aus dem Glauben erwächst. 

Eine Haltung, die aus einer Herzensbildung und aus Verantwortung für das Gemeinwohl herrührt sollte es heute sein.

Werke, die nicht in dieser Welt vergolten werden, die aber Gott erkennt und vergelten wird. Statt eines überhöhten ICH brauchen auch in der Welt ein WIR. Ein Helfen auf Gegenseitigkeit für eine Zukunft mit mehr Gemeinschaft und Gerechtigkeit. Auch für die staatlichen Entscheidungsträger und –trägerinnen gilt mehr WIR als ICH, statt an persönliche Wohlfahrt und überreiche Diäten zu denken, braucht es mehr Hinwendung zu einem WIR, im Dienste aller. Nur so kann Fürsorge für einander im Sinne Christi entstehen.

 
Amen 

 

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