05 11.2018  ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

 100 Jahre Frauenwahlrecht 1918 - 2018

 

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17 Uhr Beginn


Begrüßung  von Angela Sophie Brandt, Geschäftsführerin des DEF Hannover

 

 Ansprache durch Frau Dietlinde Kunad,

 

1. Vorsitzende des DEF-Bundesverbands

 

Vortrag von Frau Halgard Kuhn

 

Zur Historie des Frauenwahlrechts


 

Vortrag von Frau Antje Peters

 

100 Jahre Frauenwahlrecht – Demokratiegeschichte ist Frauengeschichte

 Zur Situation von heute

  


Grußwort von Frau Hella Mahler, 2. Vors. des DEF-Bundesverbands, Frauenbeauftragte der ev. Luth. Landeskirche Hannovers

 

Marie Stritt für den „Deutschen Verband für Frauenstimmrecht“ und Minna Cauer für den „Deutschen Frauenstimmrechtsverband“ sandten 1917 eine Petition an den Reichstag.

 Der 12. November 1918 gilt mit dem Aufruf an das Deutsche Volk vom Rat der Volksbeauftragten als Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland. Am 30. November 1918 trat das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft.  Bei der Wahl zur verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 konnten Frauen zum ersten Mal in Deutschland reichsweit wählen und gewählt werden.


 

Rat der Volksbeauftragten (ab 29. Dezember Eigenbezeichnung: Reichsregierung) hieß das Gremium, das zum Jahreswechsel 1918/19 die höchste Regierungsgewalt in Deutschland innehatte. Der Rat war ein revolutionäres Organ beim Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik im Verlauf der Novemberrevolution. Der Rat der Volksbeauftragten beaufsichtigte das eigentliche Regierungskabinett, das weiterhin im Amt war.  30.11 1918 Weimarer Verfassung tritt in Kraft.


Der Rat wurde am 10. November 1918 gebildet. So lagen die Verhältnisse in Deutschland, aber auch in den meisten anderen europäischen Staaten; nach dem ersten Weltkrieg erlangten auch dort die Frauen das aktive und passive Wahlrecht, für das sie so lange erfolglos gekämpft hatten, wurde erst mit der Neuorganisation nach der Kriegskatastrophe möglich.

 Mit einer Festveranstaltung erinnerte der DEF Ortsverband Hannover am 5. November 2018 an dieses Jubiläum.


Am 19.01.1919 durften Frauen wie Männer zum ersten Mal das allgemeine, freie und geheime Wahlrecht nutzen. Auch Männern stand dieses Recht so nicht zur Verfügung. Denn in den Ländern des Deutschen Reiches gab es unterschiedliche Vorschriften, die teils an Besitz und Steuerleistung geknüpft waren, verwies Frau Halgard Kuhn dazu  in ihrem Referat. Sie führte aus, nicht nur Männer sondern auch zahlreiche Frauen hatten sich in der Vergangenheit gegen das Frauenwahlrecht ausgesprochen. Auch Teile im DEF hatten sich skeptisch verhalten, die Zeit sei noch nicht reif dafür, da wie angeführt das uneingeschränkte Wahlrecht nicht einmal den Männern zur Verfügung stand. Als es dann aber eingeführt wurde, hat der DEF sich dafür stark gemacht, daß sich Frauen an der Wahl beteiligen, Kurse über das Wahlrecht veranstaltet und Frauen ermutigt, sich als Kandidatinnen aufstellen zu lassen.  Die langjährige DEF-Vorsitzende Paula Mueller-Otfried ließ sich 1920 in den Reichstag wählen. Sie wurde zweimal wiedergewählt, sodass sie insgesamt bis 1932 als Reichstagsabgeordnete für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) tätig war. Im Reichstag war sie Mitglied des Strafrechtsausschusses. Darüber hinaus setzte sie sich vor allem für Kleinrentner sowie im Bereich bevölkerungs- und kulturpolitischer Fragestellungen ein

 

Als Hauptrednerin des Abends referierte Frau Antje Peters über die Beteiligung von Frauen bei der Sitzverteilung in den Parlamenten:

 


Am 19. Januar 1919 kandidierten 300 Frauen zur verfassungsgebenden, Versammlung, 37 Frauen von insgesamt 423 Abgeordneten zogen in die Nationalversammlung ein: 19 gehörten der SPD- und drei der USPD an, drei Frauen der Deutschnationalen Volkspartei, sechs der Zentrums Partei, fünf Frauen der Deutschen Demokratischen Partei und eine der

 

Deutschen Volkspartei. Der Frauenanteil lag bei 8,7%.

 


Der Anteil der Frauen im Bundestag nach 1949 lag lange Zeit unter 10 %  und erreichte 1972 mit  5,8 % seinen Tiefpunkt. Erst 1983 erreichen Frauen einen Anteil von 10 %, um sich kontinuierlich zu steigern. Dazu trug die Einführung von Quoten bei Grünen (1979) und SPD (1988) bei.

 


Frau Peters führt aus, zwischenzeitlich habe die Beteiligung von Frauen in den Bundes- und Länderparlamenten über 30% gelegen, sei aber seit vielen Jahren wieder rückläufig. Nach der letzten Wahl in Niedersachsen 2017 sei der Frauenanteil auf unter 28% gesunken. Frau Peters erklärte dies mit den unterschiedlichen Programmatiken der Parteien. Während die Grünen auf die paritätische Verteilung setzen - seit 1986  sind auf ihren  Wahllisten grundsätzlich alle ungeraden Listenplätze für Frauen und die geraden Plätze für Männer offen, sind andere Parteien zurückhaltener. Zwar habe die SPD das sogenannte Reißverschlußverfahren, wonach alle Plätze abwechselnd nach dem Prinzip ein Mann, eine Frau verteilt werden, die CDU strebt mit einem Quorum einen Frauenanteil  von 30% an. FDP und AFD halten solche „Bevorzugung von Frauen“ wenig zielführend, da sich der Bessere bzw. die Bessere durchsetzen solle. Da im jetzigen Parlament mehr Stimmen von Parteien ohne Frauenförderung gewählt wurden, erkläre sich die geringere Frauenbeteiligung, so Antje Peters.

 

Um die hier eine gerechtere Verteilung zu erreichen,  setze sich der niedersächsische Landesfrauenrat für ein Parité-Gesetz ein. Die DEF-Bundesvorsitzende Dietlinde Kunad unterstützte in einem Statement ausdrücklich deren Einführung, wie es in Frankreich bereits ab 2002 Gesetz ist.

 

Angela Sophie Brandt, als Geschäftsführerin des DEF Hannover nahm die Position des  Advocatus Diaboli ein, führte die Klage mancher Politiker an, sie würden ja gerne mehr Frauen aufstellen, wenn Frauen man bereit wären sich mehr in die politischen Prozesse einzubringen.  Wenn die strukturellen Hemmnisse wegfielen, die Parteien auch pflegen, gäbe es genug Frauen, die politisch arbeiten wollen, so die Entgegnung von Frau Peters.

 


Tags darauf lud die Niedersächsische Landesregierung den nds. Landesfrauenrat zum Jahresempfang. In der Begrüßungsansprache des nds. Ministerpräsidenten Stefan Weil äußerte er sich skeptisch zur Einführung eines Parité-Gesetzes und führte dazu verfassungsrechtliche Gründe an. Es wäre u. a. nicht mit dem Auftrag der Parteien zu vereinbaren,  Meinungsvielfalten  zu präsentieren.  Die Vorsitzende  des Landesfrauenrates Frau Overmöhle-Mühlbach wirbt für die Einführung eines Parité-Gesetzes. Die Beteiligung von Frauen sei wichtiger Bestandteil, um die Lebenswirklichkeiten und das Wirken von Frauen sichtbarer zu machen und stärker bei der Ämterverteilung zu berücksichtigen. Im Januar 2019 findet ein Meinungswechsel statt. Der nds. Ministerpräsident unterstützt die Forderung nach einem Parité-Gesetz. 

 

Wer meint, die Gleichberechtigung sei längst erreicht, der irrt. Tatsache ist:

In Deutschland im Jahr 2018

 

  • verdienen Frauen durchschnittlich mehr als 20 Prozent weniger als Männer,
  • machen Frauen rund 66 Prozent der unbezahlten Arbeit in Haushalt und Familie, Männer hingegen nur 33%.
  • beziehen Frauen durchschnittlich eine Rente, die knapp 60 Prozent einer durchschnittlichen Männerrente beträgt,
  • sitzen mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen im Bundestag,
  • sind in vielen Unternehmensvorständen überhaupt keine Frauen vertreten,
  • wird fast jede zweite Frau im Laufe ihres Lebens Opfer physischer und psychischer Gewalt,
  • wird jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner getötet.

 

In Artikel 3 Absatz 2 Grundgesetz heißt es: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Zu Durchsetzung dieses Verfassungsgrundsatzes wird sich der DEF im Verein mit anderen weiterhin einsetzen.

  

Zur Verwirklichung von gelebter Gleichberechtigung müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden:


  • gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit,
  • Parität in Parlamenten und Politik und Kirche,
  • die Anerkennung und pekunäre Aufwertung von Sorgearbeit sowie eine Umverteilung unbezahlter Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern,
  • partnerschaftliche Arbeitsteilung als gesellschaftliches Übereinkommen zu manifestieren.
  • Rentengerechtigkeit und Schutz gegen Verarmung bei Krankheit.
  • die zügige und vorbehaltlose Umsetzung der Europarat-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention).


01.03.2018 ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

Der Weg zum Frauenwahlrecht - Und ist die Gleichberechtigung erreicht?

  

In diesem Jahr erinnern wir uns daran, daß es Frauen erst seit 100 Jahren möglich ist, aktiv und passiv das politische Wahlrecht auszuüben.  

Marie Stritt für den „Deutschen Verband für Frauenstimmrecht“ und Minna Cauer für den „Deutschen Frauenstimmrechtsverband“ sandten 1917 eine Petition an den Reichstag. 30.11 1918 Weimarer Verfassung trat in Kraft.  Auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern erhielten Frauen ab 1918 das Wahlrecht. 

Doch bis dahin war es ein langer Weg:  

Die Forderung nach dem Wahlrecht geht auf die Zeit der Aufklärung und der Französischen Revolution zurück. Die Literatin und Essayistin Olympe de Gouges reagierte 1791 auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Französischen Revolution, in der Frauen nicht einmal mitgedacht waren, mit einer eigenen Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin.  

In England setzte sich der Philosoph und Ökonom John Stuart Mill, einer der einflussreichsten liberalen Denker des 19. Jahrhunderts zusammen mit seiner Frau Harriet Taylor für Frauenemanzipation und für das Frauenwahlrecht ein. 1866 konnte er mit einen diesbezüglichen Antrag im englischen Parlament immerhin einen Achtungserfolg erzielen, denn es gelang ihm ein Drittel der Abgeordneten, die dafür stimmten, zu überzeugen. Ferner ist die angelsächsische Suffragettenbewegung zu erwähnen.  

Für die im 19 Jahrhundert entstandene Frauenbewegung war das Wahlrecht nur ein Punkt auf der Liste der Forderungen: Die Industrialisierung und das mit ihr einhergehende massenhafte Elend an den großen Industriestandorten. Schlechte Arbeits- und Wohnverhältnisse, sehr lange Arbeitszeiten, und zwar nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder, bestimmten  die sozialen Brennpunkte. Die rechtliche Machtlosigkeit von Frauen und Kindern bedeutete die absolute Abhängigkeit vom männlichen Ernährer. 

Die entstandene Frauenbewegung war breit aufgefächert zwischen konservativen und liberalen Kräften in der bürgerlichen Frauenbewegung und der proletarischen Frauenbewegung, die aber in der sozialistischen Theorie nicht mehr als ein Teil des zentralen Klassenkampfes um die Gleichberechtigung sein sollte. Trotz des gemeinsamen Ziels gab es in beiden Lagern der Frauenbewegung in Teilen Unverständnis und Ablehnung, aber auch Frauen, vermitteln wirkten. Teile der bürgerlichen Frauenbewegung blieben beim Thema: Frauenwahlrecht distanziert, befürchteten diese doch, daß die zahlenmäßig ungleich größere Gruppe der Arbeiterinnen und der zur Unterschicht zählenden Frauen den Sozialismus bzw, Kommunismus zur starken alles umwälzenden Kraft machen könnten.  

Wenngleich das Frauenwahlrecht nur einen Punkt ausmachte unter vielen anderen Forderungen, die oft als dringlicher eingeschätzt wurden war, wurde er von zahlreichen Vordenkerinnen doch immer wieder ganz nach oben auf die Agenda gesetzt. So gründeten 1902 die erste deutsche Juristin Anita Augspurg, die für das Jura-Studium noch in die Schweiz gehen musste, zusammen mit Lida Gustava Heymann und Minna Cauer in Hamburg den Deutschen Verein für Frauenstimmrecht. 

 

1904 wurde in Berlin eine internationale Vereinigung für das Frauenstimmrecht gegründet.  

Doch alle Appelle, die mit moralischen und ethischen Argumenten bekundet wurden, blieben erfolglos. Sie hatten keine Chance zur Durchsetzung, denn ihre Protagonistinnen waren letztendlich zu geringmächtig. Doch was in Friedenszeiten wirkungslos verhallte, wurde mit dem Weltkrieg möglich; es wurden neue Fakten gesetzt, die Geschlechterrollen neu zugeordnet. 

Nach dem ersten Weltkrieg, in dem Frauen mit Erfolg bewiesen hatten, daß sie für die abwesenden Männer deren Positionen übernehmen mußten, konnte man nicht weiterhin diesen Anspruch auf politische Teilhabe negieren - beispielsweise mit biologistischen Argumenten, wie: die Frau sei schwach und bedürfe der männlichen Vorherrschaft. 

Zur verfassungsgebenden Versammlung am 19. Januar 1919 lag die Frauenwahlbeteiligung bei 82%, es kandidierten 300 Frauen, 37 Frauen von insgesamt 423 Abgeordneten zogen in die Nationalversammlung ein: 

19 gehörten der SPD- und drei der USPD an,drei Frauen der Deutschnationalen Volkspartei, sechs der Zentrumspartei, fünf Frauen der Deutschen Demokratischen Partei und eine der Deutschen Volkspartei. 

Der Frauenanteil lag bei 8,7%. 

Was so gut begann, wurde durch den Nationalsozialismus ins Stocken gebracht. In erster Linie sollte es Aufgabe der Frauen sein, den Haushalt zu führen, viele Kinder zu gebären und diese im Sinne der „Volksgemeinschaft“ zu erziehen.  

Im Grundgesetz der nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 gegründeten Bundesrepublik Deutschland glückte es den Artikel 3 Absatz 2 aufzunehmen: Männer und Frauen sind gleichberechtigt.  

Dies gelang nur nach zähen Ringen von vier engagierten Frauen: Als sich am 1. September 1948 der Parlamentarische Rat im Zoologischen Museum König in Bonn versammelte, um eine Verfassung zu konzipieren, war die Frage der Gleichberechtigung der Geschlechter keine der Fragen, die Politiker oder Bevölkerung besonders bewegten. 65 Persönlichkeiten waren in den Parlamentarischen Rat nach Bonn berufen worden, darunter nur vier Frauen:   

die Sozialdemokratinnen Friederike Nadig (1897-1970) und Elisabeth Selbert (1896-1986), die Christdemokratin Helene Weber (1881-1962) und Helene Wessel (1898-1969) vom Zentrum. 

1960er und 1970er Jahre: Politik ist männliche Domäne: Auf der öffentlichen politischen Bühne spielten Frauen während der 1960er und 1970er Jahre nur eine marginale Rolle. Fast wie ein Feigenblatt nimmt sich da Berufung der ersten bundesdeutschen Elisabeth Schwarzhaupt. Sie war von 1961 bis 1966 Bundesministerin für Gesundheitswesen und damit die erste Frau, die das Amt eines deutschen Bundesministers bekleidete Der Deutsche Bundestag war weiterhin ein Männerparlament, denn der Frauenanteil lag während dieser Zeit stets unter 10 Prozent und erreichte 1972 mit lediglich 5,8 Prozent zudem seinen historischen Tiefstand.  

Erst mit dem Einzug der „Grünen“ ins Parlament wurde wieder ein Frauenanteil von über 8 Prozent erreicht, wie es ihn im ersten Reichstag gegeben hatte!  Im Deutschen Bundestag wurde 1987 mit einem Frauenanteil von rund 15 Prozent erstmals die 10-Prozent-Marke überwunden. Kontinuierliche Steigerungsraten ließen den Frauenanteil während der folgenden Wahlperioden weiter anwachsen, so dass Frauen 1998 immerhin rund 31 Prozent der Abgeordneten stellten. Auf der Ebene der Bundesregierungen blieb es in den 1980er Jahren allerdings noch bei dem bekannten "Gruppenbild mit Dame", und erst ab 1990 waren Frauen nicht länger Vereinzelte in einer ministeriellen Herrenriege. 1998 berief Kanzler Gerhard Schröder (SPD) fünf Frauen in sein Kabinett, was erstmals einem Anteil von knapp einem Drittel entsprach. Und inzwischen wird die Regierung auch von einer Kanzlerin angeführt. Doch von einem Pari-Verhältnis kann noch lange keine Rede sein.

Doch heute. Wie steht es um die Ausübung des Wahlrechts? Das aktive Wahlrecht wird zunehmend weniger in Anspruch, Interessenlosigkeit,  Wahlmüdigkeit und vielleicht auch Protest als Zeichen der Ohnmacht gegen den politischen Apparat könnten mögliche Ursachen sein. Doch auch das passive Wahlrecht nimmt tendenziell ab, bestenfalls stagniert es.

100 Jahre Frauenwahlrecht 1918 – 2018 dieses Jubiläum nahm der niedersächsische Landtag zum Anlaß, um die Mitgliedsverbände des Landesfrauenrates zum Weltfrauentag am 8. März in das Parlamentsgebäude einzuladen.  

Die Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta begrüßte die Anwesenden und erinnerte an die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm, die bereits 1874 postulierte: „Fordert das Stimmrecht, denn nur über das Stimmrecht geht der Weg zur Selbständigkeit und Ebenbürtigkeit, zur Freiheit und zum Glück der Frau!“  

Im Folgenden betrachtete die Landtagspräsidentin die Situation von heute: Nachdem nun seit 100 Jahren Frauen das aktive und passive Wahlrecht nutzen können, wie sehe es mit dem „Glück der Frauen“ aus? Die Bilanz fiel ernüchtern aus; im niedersächsischen Landtag ist der Frauenanteil mit nur noch 27% auf ein Rekordtief gesunken. Als Grund für die fehlende Frauenpräsenz nennt sie eine unsichtbare Barriere, denn Frauen seien mit Familie, Geburt, Beruf und Haushalt zu sehr belastet, um noch für ein politisches Amt zu kandidieren. Bisherige Förderprogramme und Quoten hätten nicht den erhofften Erfolg gebracht, so Andretta.  

Bei den „Grünen“ ist eine 50/50teilige Besetzung aller Ämter in ihrer Fraktion der Grünen langjährige Praxis. Auch die SPD habe eine quotennahe Regelung, nämlich so weit Frauen vorhanden seien, verteilten sich die Ämter nach dem 50/50-Modus. Die FDP besetzt gemäß ihrer Mitgliederstruktur von einem Drittel Frauen auch ein Drittel Mandatsträgerinnen. Die AfD hält nichts von einer Quote: Wer wolle, solle sich engagieren. Wer gut ist, werde sich durchsetzen. Auch die CDU konnte sich nicht für die Einführung einer Quote erwärmen, schlägt aber vor, die Bedingungen für Frauen zu verbessern, z.B. bessere Kinderbetreuung, weniger Sitzungen in den Abendstunden. Auch von anderen Politikerinnen wurde bemängelt, daß zu viele Veranstaltungen und netzwerkrelevante Treffen am Wochenende oder in den Abendstunden stattfänden. Eine Situation, die es Frauen schwer mache, sich politisch einzubringen. Zudem müsse sich das gesellschaftlich geprägte Bild ändern; noch immer übernähmen Frauen wöchentlich ca. 20 Stunden Hausarbeit, Männer hingegen nur sieben Stunden.

Fazit: Viele bereits seit Jahrzehnten bekannte Fakten wurden noch einmal vorgetragen, Verbesserungen und lösungsrelevante Ansätze harren der Umsetzung. Verbände, wie der DEF, sind notwendig, um gesellschaftliche Einstellungen im Sinne einer partnerschaftlichen Teilhabe anzustoßen, denn erst bei gesellschaftlichem Druck werden Politiker und Politikerinnen in den Prozeß des Handelns kommen. 

Anmerkung: 

Die Frauenrechtsbewegung unterteilt sich in vier "Wellen"

 

Die erste Welle der modernen Frauenbewegung oder Frauenrechtsbewegung (Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 

 

20. Jahrhunderts) kämpfte für die grundsätzlichen politischen und bürgerlichen Rechte der Frauen wie z. B. das Frauenwahlrecht, das Recht auf Erwerbstätigkeit und auf Bildung.(Vertreterinnen Luise Otto-Peters (1819–1895), Auguste Schmidt (1833–1902) und Gertrud Bäumer (1873–1954 und andere) 

In der zweiten Welle, in der Zeit um 1890-1900, mitten in den Auswirkungen der Industrialisierung, wurden zahlreiche   

Frauenverbände gegründet, u.a. als konfessional gebundener Verband innerhalb der bürgerlichen Strömung der Deutsch- 

Evangelische Frauenbund. 

Viele Forderungen konnten erst mit der gesellschaftlichen Neuordnung nach dem 1. Weltkrieg durchgesetzt werden, z.B. das aktive und passive Wahlrecht.  

Die dritte Welle der Frauenbewegung entstand Ende der 1960er/ in den 70er Jahren.Im Rahmen der dritten Welle brechen Verkrustungen, wie sie sich aus Restauration in den Wiederaufbaujahren ergaben, auf. Es beginnt mit der Zeit der Studentenunruhen, die u .a. eine Aufarbeitung der Zeit im 3. Reich fordern. Neue Lebensmodellen: z.B. WG und Kommunen, neue Erziehungsformen, wie Antiautoritäre Erziehung, Parzifistische und sozialistische Weltanschauungen. 

In den 1990er Jahren zeichnet sich die vierte Welle der Frauenbewegung ab, die die Ideen der dritten Welle in modifizierter Form fortsetzt. Neue Aspekte gewinnen an Bedeutung; der Begriff des Gender-Mainstreaming wird 1995 auf der 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking verabschiedet. 


 

12. 08.2017   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

    

 

Wittenberg - 5oo Jahre Reformation - am 12.08.2017 FrauenFesttag

 

Tagesfahrt von Hannover nach Wittenberg

 

  

 

Führung durch Ausstellung: Frauen der Reformation  - Frauen in der Zeit Luthers bis zu heute, die sich für Bildung von Frauen, für die Reformation und für Ämter für Frauen in der Kirche und in Gesellschaft eingesetzt haben. Dies wird uns an Beispielen wie z.B. Magdalene von Staupitz /1485-1548) als Leiterin der ersten Mädchenschule, Ursula Weyda (1504-1570) als Flugblattschreiberin oder Elisabeth Haseloff (* 30. Juni 1914 in Rom; † 29. November 1974 in Hamburg) einer Pionierin zur Ordinierung von Pastorinnen. Sie war Pastorin in Lübeck.

 

   

 

Die fünf theologischen Prinzipien der Reformation zusammengefasst:

  1. Sola Fide (allein der Glaube)
  2. Sola Scriptura (allein die Schrift)
  3. Solus Christus (allein Christus)
  4. Sola Gratia (allein die Gnade)
  5. Soli Deo Gloria (Gott allein gehört die Ehre)

 

Nachmittags Rundgang durch Wittenberg -  einer der Höhepunkte war das gemeinsame Frauenfestmahl auf dem Marktplatz

              

 

Ökumenische Frauen feiern zusammen, stehen einander bei und beweisen Solidarität mit anderen Frauen auf der Welt.

Luther hat den Grundstein für die Aufwertung der Frau gelegt, in dem er Bildung und Anerkennung für die Hausfrau, Mutter der Kinder und Vorsteherin des Hauses forderte. Dennoch brauchte  es fast 450 Jahre bis die ersten Frauen im Talar gleichberechtigt mit den Männern auf der Kanzel stehen konnten.  

U.a. wies Margot Käßmann auf die Frauen in der Welt hin, die nicht frei leben können,  die nicht über ihren eigenen Körper entscheiden können, die weder ausreichend über Nahrung noch über Möglichkeiten für Bildung verfügen.

Selbst in Deutschland ist noch viel zu tun, noch immer sind die katholischen Frauen von Gleichberechtigung, z.B.  im Priesteramt weit entfernt.   

 

 

 

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 27. 09.2016   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

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Kinder wie die Zeit vergeht. Kaum zu glauben, dass DEF Hannover jetzt schon seit 10 Jahren über ein eigenes Vereinshaus verfügt. Dies wurde am 27.09.2016 mit einem fröhlichen Sommerfest gefeiert. Für nicht wenige ist das Haus ein beliebter Treffpunkt geworden, der mit seiner angenehmen Atmosphäre  zum Verweilen, zur Begegnung mit anderen Menschen, zum Austausch von Wissen und Informationen einlädt. Ein Rückblick auf die Veranstaltungen und zahlreichen Themen zeigt wie vielseitig und das eigene Wissen stimulierend die Angebote im DEF waren und sind; die Spannbreite reicht von kurzweilig unterhaltenden bis zu hochkarätigen gesellschaftspolitischen und philosophischen Stellungnahmen. Sie wird von der Kernfrage geleitet, wie kann gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen verwirklicht werden und umfasst alle Bereiche, die nicht nur Frauen sondern alle Menschen interessieren: Essen, Trinken, Kunst, Natur, Medien, Geschichte, Theater, Politik, Musik, Theologie, Philosophie…


Der DEF sieht seine Aufgabe ferner in der Befähigung seiner Mitglieder sich umfangreiches Wissen anzueignen, um sich dann in andere gesellschaftsrelevante Gremien einbringen zu können. Wir mischen uns ein und die Themenpalette, die immer größer wird, von Kindearmut, Essenstafeln, öffentlicher Verkehr für gehandikapte Personen über Fragen zur Rentensicherung, Verteilungsgerechtigung von finanziellen Ressourcen.  Daneben werden Projekte durchgeführt, u.a. unterhält der DEF die Beratungsstelle für Frauen in Geld- und Versicherungsfragen und Hilfe für alleinerziehende Frauen.    


 


06. 09.2016   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

Ein Abend für Irmgard von Meibom

 

 

Dietlinde Kunad begrüßte die Teilnehmenden und freute sich, dass zum einen die Tochter Irmgard von Meiboms,  Prof. Dr. Barbara v. Meibom  der Einladung gefolgt war und zum anderen, daß als Referentin die Leiterin der Abteilung Gleichstellung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Christine Morgenstern gewonnen werden konnte. Den 100jährigen Ehrentag Frau von Meiboms nahm der DEF zum Anlass, zu fragen: „Was wurde in der Gleichberechtigung erreicht und wo liegen die Defizite?


Beginnend mit einem Referat Halgard Kuhns, die das Engagement Irmgard v. Meiboms mit den Markenzeichen Souveränität und Kompetenz beschrieb und einem humoristischen  Rollenspiel, die oft kritisierende Beäugung  der Frau in ihrer Rolle als Hausfrau, Mutter oder Berufstätige betreffend, erfolgte der Vortrag der Gastrednerin: Christine Morgenstern memorierte die Arbeitsziele aus 30 Jahren Frauenministerium.  Das angestrebte Ziel einer wirtschaftlichen Absicherung der Frauen solle über eine möglichst hohe Erwerbstätigkeitsquote der Frauen erreicht werden. Als flankierende Maßnahmen dazu setze man auf den Ausbau staatlicher Angebote, z.B. in der Kinderbetreuung, in der Altenhilfe etc.. Zu diesem Punkt entstand eine sehr dynamische Diskussion, ging es den Diskutanten doch darum, Familienarbeit und Ehrenamt nicht nur in Lippenbekenntnissen Wert zu schätzen, sondern durch konkrete finanzielle Maßnahmen eine wirkliche Gleichstellung zur  Berufstätigkeit anzustreben. Schon Irmgard von Meibom hatte die Forderung nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie unbeirrt erhoben, zudem wurde aus den Reihen des DEF angeregt, in der Statistik zum Bruttosozialprodukt die Arbeitsstunden, die in erster Linie Frauen aber auch vereinzelt Männer für Familie, Haushalt und Gesellschaft leisten, als Sattelitenzahl darzulegen. In diese Richtung zielte auch die Anmerkung Barbara von Meibom, nicht mehr nur auf die klassische 40-jährige sozialversicherungspflichtige Vollbeschäftigung zu setzen, sondern auch die tiefgreifenden Veränderungen der Lebenswirklichkeiten, z.B. unsichere Arbeitsplätze, hohe Mobilität, alternative Lebensentwürfe, u.s.w.  zu berücksichtigen.


Die DEF- Frauen gaben Frau Morgenstern mit auf ihren Weg nach Berlin, beim Aufbau einer wirtschaftlichen Sicherung von Frauen und Männern zu berücksichtigen, dass das bisherige klassische Vorbild einer "männlichen Erwerbsbiographie", die auf 40 bis 45 Jahre ununterbrochener sozialversicherungsabhängiger Berufstätigkeit immer mehr ausgedient hat. Für Jüngere gibt es immer mehr Unwägbarkeiten: lange Ausbildungszeiten, viele Praktika, Teilzeitbeschäftigungen, geforderte allzeitige Flexibilität, immer stärkere betriebliche Anforderungen an Erreichbarkeit und Mobilität bei gleichzeitig zunehmender Unsicherheiten. Es wird immer weniger Arbeitsplatzgarantien geben. Innerhalb eines Erwerbslebens werden  die Menschen nicht mehr einen oder zwei sondern zunehmend diverse Arbeitgeber haben. Junge Leute stellen sich die Frage, ob Arbeit alles ist und wo bleibt mein Leben mit meinen Wünschen und Präferenzen. Stichwort: Life-Work-Balance.


Es wird eine gesellschaftliche Herausforderung sein, eine Sozialgesetzgebung zu installieren, die diesen Veränderungen Rechnung trägt, in dem hinlängliche Absicherungen geschaffen werden, die das Risiko Armut im Alter oder bei Krankheit gar nicht erst aufkommen lassen. Demokratie wird sich nur dann bewähren, wenn für alle Bevölkerungsschichten, für Frauen und Männer gleichberechtigte Teilhabe möglich und Verteilungsgerechtigkeit erfahrbar wird. Wir beobachten im DEF - nicht erst seit den letzten Jahren - , dass die Fliehkräfte aufgrund von ungerechter Chancen,  zu wenig integrierter Bevölkerungsanteile und zunehmenden Armutsrisiko die bisherige Konsensgesellschaft sprengen. Dem ist entgegen zu wirken. Eine ernste politische aber auch gesellschaftliche Herausforderung.      

 

 

 

01. 12.2015   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

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Madonna – Besuch der Ausstellung des niedersächsischen Landesmuseums

 

 

 

Am 1. Dezember besuchten 20 DEF-Frauen die obige Sonderschau und ließen sich von Brigitte von Wintzingerode anhand von einzelnen Kunstwerken erläutern. Die Darstellung: Junge Frau mit kleinem Kind, im christlichen Zusammenhang Maria und Jesus, entstammt der Tradition aus dem östlichen Mittelmeerraum, beispielsweise werden in Ägypten so Isis mit ihrem Sohn Horos dargestellt. Im klassistischen Griechenland sind es dann die Gottheiten Aphrodite und Eros.

 

Das sich etablierende Christentum übernimmt diese Form der Darstellung von Mutterschaft, wechselt nur die Namen und die dazugehörende Geschichte aus.

 

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Im germanischen Raum konnte diese Darstellung erst nach und nach mit Beginn des 11. Jahrhunderts Fuß fassen. So wurden in den folgenden Jahrhunderten die Berichte und Geschichten um Maria immer mehr erweitert, wenngleich die Standardbibel selber nur wenig vom Leben der Maria berichtet. Sie wurde als Herrscherin über die Welt (Himmelskönigin) zur Vermittlerin zwischen den Menschen und Gott.

 

Maria mit dem Kinde war dann im Volksglauben so fest etabliert, daß auch die Reformation, wohl die Bedeutung der Maria, nicht aber die Madonnen-Darstellung als solches gänzlich zurücknehmen konnte.

 

Der Maria werden Attribute wie Sanftheit, Duldsamkeit und ewige selbstlose Fürsorge beigeordnet. An diesem Vorbild möchten sich alle Frauen orientieren und ihr darin in Selbstlosigkeit und Aufopferung nacheifern. Noch bis ins 20. Jahrhundert wurden solche  Tugenden herausgestrichen, um die untergeordnete Rolle der Frau in Kirche und  Gesellschaft zu begründen.

 

Doch damit endet die Ausstellung nicht, die Schau zeigt auch eine Madonna, aus der Barockzeit, die stark und kämpferisch die Welt regiert, entstanden in der Zeit der Gegenreformation.

 

Und auch der Blick auf die Moderne zeigt Werke des Sprengel-Museums, die  mit diesen Stereotypen spielen: wenn eine Frau sich nicht zurückhaltend präsentiert, gilt sie als Amazone oder immer noch gern abwertend als „Emanze“ oder „Kampflesbe“. Eine Installation von 1975 von Ulrike Rosenbach versucht zu zeigen, daß Frauen weder das eine Extrem noch das andere sind. Mutterschaft hat im Leben vieler Frauen einen sehr bedeutsamen Anteil. In allen anderen Bereichen des Lebens, wie Arbeit, Beruf und gesellschaftlicher Teilhabe steht ihnen ein ebenso großer Einfluß wie den Männer zu. Eine Selbstverständlichkeit, die immer noch nicht Realität ist.

 

 

14. 04.2015   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

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Am 14.04.2015 trafen sich Frauen aus den niedersächsischen Ortsverbänden zur Mitgliederversammlung des DEF Landesverbandes in Hannover. Der Vormittag war für  die Regularien bestimmt.  (siehe hierzu das entsprechende Protokoll) Nach dem Mittagsimbiss folgte ein kulturhistorischer Rundgang  in die unmittelbare Umgebung des Sitzes des Ortsverbandes Hannover.  Den  Anfang machte der Besuch der  Kreuzkirche. Dort wurde uns das Altarbild, dass ca. 1537 von Lucas Cranach d. A. geschaffen wurde, erläutert. Die außerordentliche künstlerische Bedeutung zeigt sich besonders  in den fein modellierten Darstellungen der Personen, die sich unter dem Kreuz von Golgatha versammelt haben. Bei genauer Betrachtung der zahlreichen Einzelheiten wähnt man sich Menschen gegenüber, wie sie zu Zeiten Cranachs gelebt haben. 

Es folgte ein Rundgang von der mittelalterlichen Stadt Hannover jenseits der Leine zur ersten Stadterweiterung, der Calenberger Neustadt. Der Weg führte uns zur Hof- und Stadtkirche, zum Standort der  ehemaligen Synagoge und zur katholischen Basilika, St. Clemens.  Wir konnten in jede Kirche hinein gehen und  die jeweilige Innengestaltung auf uns wirken lassen.  Zu danken ist unserem Führer, Herrn Eckhardt Lehmann, der uns viel Wissenswertes  fundiert und kurzweilig  nahe gebracht hat.  In heiterer Stimmung  konnten wir uns anschließend noch bei Kaffee und Kuchen stärken und einen erlebnisreichen Tag in guter Gemeinschaft ausklingen lassen.

 

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14. 10.2014   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

Einen Nachmittag mit viel Kurzweiliges, Heiteres mit Kulturhistorischen Hintergrund erlebten die Frauen des DEF am 14.10.2014 mit Frau Kerstin Brandes. Sie ist Diplom-Kulturwissenschaftlerin und kam mit vielen Koffern und Kisten aus dem Museum für Alltagsdinge Peine. Eine Revue durch die wunderbare Welt der Mode - von der Kaiserzeit bis in die 80er des letzten Jahrhunderts. Es durfte angefasst, probiert und bestaunt werden, was Frauen und Männer sichtbar und auch darunter trugen, um zu beleuchten was einerseits Zeitgeist oder Modediktat war und was man andererseits persönlich tat, um die eigene Person zu herauszustreichen. Die Mode als Projektionsfläche zur Darstellung und Inszenierung von Persönlichkeit. 

 

Mode hat aber ein gesellschaftliches Schlaglicht. Trugen die Frauen in der Kaiserzeit Korsett und kämpfen Frauenrechtlerinnen oft auf sehr schwierigen Terrain für die Verbesserung von Frauenrechten, so eröffnete die Weimarer Republik viele neue Bewegungsmöglichkeiten, Sinnbild dazu ist nicht zuletzt die Mode mit ihren kurzen lockeren Kleidern. Frauen haben Bewegungsfreiheit. Viele Möglichkeiten wurden dann in der Nazi-Zeit wieder kassiert. Die Frau sollte in der Linie Mutter und Hausfrau sein. Erst in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts haben sich die Frauen ihre Rechte zurückerobern müssen. So war in den 50er Jahren die Mode eher nach ästhetischen und femininen Gesichtspunkten mit Petticoat Handschuhen und Pumps mit Pfennigabsätzen ausgerichtet, während in einer Zeit, in der Frauen und Männer   gleichermaßen berufstätig sind, die Kleidung mehr den praktischen Gesichtspunkten zu genügen hat. 

 

  

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23. 07.2014   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

 

Ein besonderes Ereignis wird in diesem Jahr in Hannover mit der Personalunion der Königreiche Hannover -England gefeiert. Die Frauen des Deutschen Evangelischen Frauenbundes besuchten die Ausstellung im neu erbauten Schloßgebäude in Herrenhausen. Informativ und kurzweilig wurden sie von Eckhardt Lehmann durch die kunsthistorisch sehr bemerkenswerte und nur für eine kurze Zeit zusammengetragene Sammlung des Grafen Wallmoden-Gimborn, ein Königssohn von einer Nebenfrau geführt.

 

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24.06.2014   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

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Frau Angelika Kanngießer organisierte einen Besuch in der Villa Seligmann - dem heutigen Zentrum für liturgische jüdische Musik. 

 

 

04.06.2014   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

Am 4. Juni unternahmen mehr als zwei Dutzend DEF-Frauen aus Hannover eine Studienfahrt nach Bielefeld, um sich einerseits über die soziale Arbeit der von Bodelschwinghischen Stiftungen in Bethel zu informieren und um die DEF-Frauen aus Bielefeld zu einem interessanten Gesprächsaustausch zu treffen. 

Begrüßt wurden wir auf dem Gelände in  Bethel von Tobias Borth aus dem Team für Öffentlichkeitsarbeit Im Haus "Dankort". Dort sind praktischerweise Besucherzentrum und Spendenmanagement zusammengefasst.

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Von kleinen Anfängen im Jahre 1867, der Einrichtung von 15 Plätzen für Epilepsie-Erkrankte entwickelte sich der Ort Bethel, der sich an den Höhen des Teuteburger Waldes schmiegt zu einer großen diakonischen Stiftung, in der mehr 4500 Menschen leben und arbeiten. Menschen mit körperlichen, geistigen Einschränkungen, Alte, Junge, Menschen mit Suchtproblemen und anderen psychischen Problemen werden hier betreut. In verschiedenen Betreiben können Jugendliche eine Ausbildung absolvieren, so in dem Gast- und Hotelbetrieb Lindenhof, in dem wir köstlich zu Mittag essen konnten.

Nach einer Stadtrundfahrt durch die Leinen-Stadt Bielefeld wurden wir von den Bielefelder DEF-Frauen empfangen; fleißige Hände hatten Kuchen gebacken und die Tische im Gemeindehaus der Neustädter Marienkirche gastlich gedeckt. Es ergab sich schnell ein reger Austausch unter uns DEF-Frauen.

Der von Bielefeldern aufgeführte Sketch, der eine Situation - nämlich das Problem des Einzugs der Technik in den Alltag einer Hausfrau -von etwa 90 Jahren nachspielte, erinnerter uns in heiterer Weise daran, wie rasant sich die Lebenswelten und das soziale Gefüge verändert haben. Sind heute Beruf und Familie im Leben einer Frau zwei selbstverständliche - wenn auch immer noch schwer miteinander zu koordinierende Bereiche, so sollte die Großmütter-Generation ihre Erfüllung  noch im Dienst an Mann und  Kindern und wenn sich das nicht ergab, so doch im Dienst an der Gesellschaft finden.

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 27.03.2014   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

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27.03.2014   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

 Am 27. März 2014 lud der Deutsche Evangelische Frauenbund (DEF) unter dem Titel:

 

Sorge und Mitverantwortung in der Kommune –

Aufbau und Sicherung zukunfts-fähiger Gemeinschaften

Welche Relevanz kann der Altenbericht für die Gemeindearbeit haben

 

zu einem Symposium  ein.  Frau Irmtraut Pütter übernahm die Begrüßung der eingeladenen Referenten: Frau Prof. Dr. Susanne Kümpers , Lehramt an der Uni Fulda und Mitglied der Altenberichtskommission und  Herrn Dr. Frank Berner, Geschäftsführer der Abteilung: Altenbericht beim deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) 

ferner dankte sie dem Ortsverband Hannover für die Vorbereitung und Durchführung  dieser Veranstaltung, die  im Vorfeld zur Fertigstellung des Altenberichts 2015 erste Arbeitsergebnisse vorlegen könnte.

Bereits seit  1993 erscheint in jeder Legislaturperiode ein Altenbericht zu einem seniorenpolitischen Thema.

Folgende Altenberichte sind bislang erschienen:

2010: Sechster Altenbericht "Altersbilder in der Gesellschaft" (BT-Drucksache. 17/3815)

2006: Fünfter Altenbericht "Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft - Der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen" (BT-Drucksache. 16/2190)

2002: Vierter Altenbericht "Risiken, Lebensqualität und Versorgung Hochaltriger - unter besonderer Berücksichtigung demenzieller Erkrankungen" (BT-Drucksache. 14/8822)

2001: Dritter Altenbericht "Alter und Gesellschaft" (BT-Drucksache. 14/5130)

1998: Zweiter Altenbericht "Wohnen im Alter" (BT-Drucksache. 13/9750)

1993: Erster Altenbericht zur "Lebenssituation älterer Menschen" (Bundestagsdrucksache 12/5897) 

 

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In dem aktuellen Bericht soll es  um die Aufgaben der Kommunen gehen: Kümpers legte dar, daß es Aufgabe der Politik sei, Rahmenbedingungen zu schaffen, die persönliches und ehrenamtliches Engagement möglich macht. Gerade von den Vertretern der Politik wird häufig auf die Notwendigkeit ehrenamtlicher Arbeit für die Gesellschaft hingewiesen. In der Stellungnahme der Bundesregierung von 2010 heißt es, Ältere sind aufgefordert einen Beitrag für Gesellschaft und Wirtschaft zu leisten. Oftmals gehe der Appell an die Verantwortung für sich und andere so weit, daß  zur Entlastung künftiger Generationen ein Pflichtjahr für Rentner eingefordert werde. Dieser Meinung widersprach die Referentin und wehrte sich gegen eine Verpflichtung der Älteren als zivilgesellschaftliche Reserve und erinnerte an den Satz des „wohlverdienten Ruhestands“. Auch eine häufig gehörte These: „Oma verreise lieber als ihre Großkinder zu betreuen!“, stimme so nicht. Tatsächlich bringen sich Großeltern erheblich für die Betreuung ihrer Enkel ein.

 

Die Altersleitbilder zu Gesundheit und Teilhabe würden bestimmt durch ein

1.      erfolgreiches Altern

2.      aktives Altern

3.      produktives Altern.

Alter unterteile sich in           1. Junges drittes Alter (kaum spürbare Einschränkungen und eigene Lebensgestaltung)

                                               2. viertes „altes Alter“ ( Menschen ab 80+, bei von Krankheit gezeichneten und sozial Benachteiligten beginne das vierte Alter viel früher)

 

 

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Bisherige Untersuchungen in bezug auf Engagement und Diversität zeigen, daß Armut, niedriger Sozialstatus, Migrationshintergrund starken Einfluß auf die Bereitschaft zum Ehrenamt haben. Persönliches Engagement im Alter sei sehr davon abhängig, ob jemand auch schon während seines Erwerbslebens Möglichkeiten gefunden hat, sich kreativ und individuell einbringen zu können. Die Untersuchungsbefunde zeigten, bisherige Programme der Kommunen hätten als zu sehr den Personenkreis aus dem Mittelstand im Blick, Migranten und Menschen mit niedrigem Status und wenig Einkommen würden seltener ein Ehrenamt übernehmen. Gleichzeitig stellte Kümpers die Frage, wie bei der Frage nach Ehrenamtlichkeit evaluiert werde. Würde man auch die Betreuung von Familienangehörigen mit hinein rechnen, käme man hier zu einem etwas anderen Ergebnis.

Zusammenfassend ergebe sich daraus, die Angebote müssen eine größere Diversitätsbreite erhalten und sich mehr an die Lebensumstände der Umworbenen  anpassen.

 

Auch Dr. Frank Berner verwies in seinem Bericht auf die Vielfalt der Lebensumstände von Alter;  Alter sei als Prozeß und ambivalent zu betrachten; innerhalb der Gruppen bekämen Alter und Altersunterschiede weniger Gewicht, so seien auch in der späten Lebensphase Neuanfänge möglich.

In der christlichen Tradition werde Alter eher vom Sterben und vom Tod gedeutet, so  zitiert Berner Dr. Gerhard Wegner, Sozialwissenschaftliches Institut der Evangelischen Kirche. Alter werde in kirchlichen Kreisen eher defizitär und oft in Zusammenhang mit Pflege und Betreuung wahrgenommen. Der Kirche fehle eine systematische Theorie für jüngere Ältere.

Auf die Tatsache: in den nächsten Jahren wird es immer mehr Alte, auch mehr Pflegebedürftige geben bei gleichzeitig weniger Jüngeren, die für die Betreuung zu Verfügung stehen, sollten lokale Alten- und Pflegestützpunkte, die einen Mix aus privater und professioneller Dienstleistung tätigen, gegründet werde. Berner stellte an das Plenum  die Frage, welche Lösungsansätze und welche Fragestellungen sich für die Kirchengemeinden in den Quartieren hieraus ergeben. Er nutzte die Tagung, um zu dieser Frage direkt vor Ort bei Menschen an der Basis Informationen und Hinweise für die Altenberichterstattung zu erhalten.  Da viele Teilnehmerinnen in kirchlichen Ämtern aktiv sind,  ergab sich eine emotionale und zielführende Diskussion.

 

Folgendes durchaus realistisches Zukunftsszenario wurde von den Teilnehmern und Teilnahmerinnen der Veranstaltung umschifft, bzw. vielleicht wegen mangelnder Lösungsansätze ausgeblendet. Der geburtenreichste Jahrgang der Bundesrepublik Deutschland war 1964. Die nun heute 50jährigen werden in ca. 15 Jahren in Ruhestand gehen. (sogenannte Baby-Boomer-Generation) Gleichzeitig werden immer weniger Junge zur Verfügung stehen, die in die gesetzliche Sozialversicherung einzahlen, aus denen dann auch die Renten für den Geburtsjahrgang 64 ausgezahlt werden. Wird auch dann noch bei dem bisherigen und oben geschilderten Umlagesystem bleiben, schrumpft die durchschnittliche Rente auf Grundsicherungsniveau. D. h. ein Großteil dieser Rentner könnte es  sich gar nicht mehr leisten, ein Ehrenamt zu übernehmen, sondern müsste in den noch rüstigen Jahren dazuverdienen. Ein Heer mit guten Angeboten zu rekrutierenden Freiwilligen steht gar nicht zur Verfügung. Noch unerfreulicher wird es, wenn man  nach weiteren 15 Jahren betrachtet, nämlich im „vierten Alter“ wenn Pflegebedürftigkeit entsteht. Schon jetzt hört man allerorts vom Pflegenotstand. Zukünftig werden immer weniger Frauen auf Erwerbstätigkeit zugunsten älterer Angehöriger verzichten, aufgrund von betrieblich eingeforderter Mobilität können Familien noch weniger an einem Ort wohnen.  Auch aufgrund der besseren medizinischen Möglichkeiten und die damit einher gehenden Anforderungen benötigen zunehmend Professionelle.

Die bisherigen Probleme scheinen ein kleines Vorspiel zu sein für die Herausforderungen, die erst kommen:  mehr Pflegebedürftige, weniger Geld, das die Pflegeversicherung auszahlen kann und immer weniger leistungsfähige Junge, um eine humane Zivilgesellschaft erhalten zu können.  Das werden die Aufgaben sein, die u.a. der Jahrgang 1964, der jetzt auch in politischen und kirchlichen Ämtern und Gremien die Rahmenbedingungen stellen kann.

 

 14.01.2014   ΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞΞ

 

    „Zwischen Kaiserwetter und Donnergrollen“

 

Karikaturmuseum Wilhelm Busch

 

Am 14.01.14 besuchte eine Gruppe aus dem DEF Ortverband Hannover die Simplicissimus- Ausstellung: Zwischen Kaiserwetter und Donnergrollen im Wilhelm-Busch-Museum, dem deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst.

Gegründet und herausgegeben wurde die Zeitschrift 1896 in München. Namhafte Künstler arbeiteten für das Blatt, dessen „große Zeit“ die wilhelminische Epoche war. Man nahm in erster Linie den damaligen Zeitgeist, u.a. geprägt durch Militär, Uniformen und im besondern seinem höchsten Vertreter, den deutschen Kaiser aufs Korn. Ein besonderes Exponat stellt das Goldene Buch der Stadt Hannover dar. Aufgeblättert ist es, um die Unterschrift des Kaisers Wilhelm II, fast ist man geneigt von einem Autogramm und Kleinod zu sprechen, zu zeigen anläßlich seines Besuches zur Einweihung des neuen Rathauses.

Für die Künstler des Simplicissimus bot der Kaiser mit seinen Interessen an der Seefahrt, dem Aufbau einer Flotte, seiner Befürwortung einer kolonialen Politik und seiner Vorliebe für alles Militärische eine willkommene Projektionsfläche. Man kann den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine Tennis-Partie, in der die eine Seite seinen Gegner braucht, um überhaupt spielen zu können. Viele Ausstellungsstücke zeigen, daß sich Kaiser und kaiserliche Familie einer großen Beliebtheit im gemeinen Volke erfreuen konnten. Unbeabsichtigt und eher indirekt könnten die Karikaturen dies noch gefördert haben als „unserm Kaiser“ ernsthaft geschädigt zu haben. Wenngleich man in dieser Zeit keinesfalls von Pressefreiheit sprechen kann und einige Zeichnungen der Zensur an heim fielen. Die Hohezeit des Simplizissimus ist denn auch die Kaiserzeit, in der Zeit der Weimarer Republik verliert die Zeitschrift an Bedeutung und wird 1944 ganz eingestellt.

Weniger beachtet aber im Simplicissimus auch dargestellt werden  Themen zur sozialen Frage: die Armut großer Bevölkerungsanteile im Zuge der  Industrialisierung und die große Ungerechtigkeit zwischen Männer und Frauen. Der DEF wurde u.a. gerade deshalb vor über 110Jahren gegründet,  um Frauen mehr Gehör in Kirche und Gesellschaft zu verschaffen und sich für den Abbau der Ungleichbehandlungen der Geschlechter einzusetzen. Die Macher der Satirezeitschrift hatten für die Vertreterinnen der  Gleichberechtigung meist nur Spott übrig. Eine Frau solle angenehm anzuschauen sein, selbstverständlich der wilhelminischen Mode entsprechend,  keine freiheitlichen Flausen verfolgen und stattdessen dem Manne eine gute Gehilfin, treusorgende Gattin und Mutter sein.  Ein interessantes Zeitdokument stellt dann auch die Verspottung der Frauenrechtlerinnen da. Sie werden als unattraktiv, häßlich und krakelnd dargestellt, eben als jene Weibspersonen, die keinen Ehemann abbekommen haben.

Nicht gesehen wird, daß eben nicht alle Ehemänner ihren Frauen ein gutes Los bieten, viele Frauen finanziell und sozial zeitlebens von Männern abhängig sind, nahezu keine Chance auf ein eigenes Leben haben, viele Talente verkümmern, und mangels eigener Absicherung und Berufsmöglichkeit Witwentum oft Armut bedeutet.

Dieser Rückblick auf die Geschichte erinnert daran, wie groß der gesellschaftliche Umwälzungsprozeß  in einer doch recht kurzen Zeitspanne von 100 Jahren für das Verständnis der  Rollen von Männer und Frauen gewesen ist.

 

Angela Sophie Brandt

 

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